Ein BREEAM-Zertifikat ist mehr als nur ein Stück Papier: Es ist ein Zeichen der Einhaltung anspruchsvoller ökologischer Anforderungen. Doch die Erlangung einer bestmöglichen Bewertung ist oft nicht so einfach, wie viele Projektentwickler zunächst vermuten. Konkrete Lösungen, wie die nachhaltige Logistik von morgen aussehen könnte, zeigt das von P3 Logistic Parks entwickelte InPost Logistikzentrum.

Schon lang ist deutlich: Nachhaltiges Handeln ist kein Trend, sondern eine Verantwortung. Gerade in der Logistik und durch den aktuellen Boom im E-Commerce ist es wichtiger denn je, nachhaltige Lösungen zu schaffen. Ein Prozess, der schon beim Bau der Logistikimmobilie beginnt. Aber wie erzielen Entwickler am effektivsten eine bestmögliche Beurteilung für ihre nachhaltigen Logistikzentren?

P3 erfüllt hohe Umwelt-Standards

Als wichtigster Nachhaltigkeitsstandard gilt das Bewertungssystem BREEAM. In der Logistik hat es sich einen Namen gemacht, da es nicht nur international sehr bekannt ist, sondern auch einen Fokus auf die grüne Infrastruktur rund um das Gebäude legt. “BREEAM ermöglicht die einheitliche Bewertung ganzer Portfolios sowie einer breiten Palette von Gebäudetypen und deckt dabei diverse Kategorien ab,” erklärt Lenka Matějíčková, Head of Sustainability bei Arcadis, einem Unternehmen, das den Großteil des P3-Portfolios mit BREEAM zertifiziert.

Viele Projektverantwortliche verfolgen ehrgeizige BREEAM-Ziele, doch wie man die hohen Standards in der Praxis konkret erreicht, ist noch zu wenig bekannt. Das von P3 Logistic Parks entwickelte InPost Cross-Docking-Center und Sortierzentrum in Mszczonów, Polen, erhielt im Zertifizierungssystem BREEAM 2016 NC Industrial mit 65,4% die höchste bisherige Punktzahl auf dem polnischen Markt. Das Logistikzentrum, in dem täglich 300 Mitarbeiter mehrere hunderttausend Pakete sortieren, demonstriert, wie hohe BREEAM-Standards zu erreichen sind. Für diese Immobilie wurde P3 von Gleeds Polska bei der Strategieplanung und der BREEAM-Zertifizierung sowie bei der Investorenbetreuung, dem Investitionsmanagement und den Kosten unterstützt.

Insektenhotels und 400 Bäume

Was beim ersten Blick auf die P3-Immobilie für InPost auffällt, ist die grüne Umgebung. Gärtner pflanzten fast 400 Bäume auf der Anlage, dazu gibt es eine Blumenwiese und fünf Insektenhotels. Mehr als 80 Prozent der gepflanzten Bäume sind einheimische Arten, benötigen keine künstliche Bewässerung und wurden so ausgewählt, dass sie die Artenvielfalt erhöhen. Es sind Aspekte wie diese Sorgfalt für die kleinen Details, die eine hohe BREEAM-Bewertung ausmachen.

Nachhaltigkeitsmaßnahmen sollten bereits in der Vorplanungsphase eine große Rolle spielen. Auf diese Weise kann das Team vielfältige Lösungen erkunden sowie alle Empfehlungen direkt umsetzen. Es sollten außerdem bei der Analyse der Ideen externe Berater in den Prozess einbezogen werden. An dem Entwurf des InPost-Gebäudes arbeiteten Ökologen mit, die einen Fachbericht mit Empfehlungen erstellten. Bäume zu pflanzen ist gut und umweltfreundlich, aber solche Aktivitäten mit einem strategischen Plan umzusetzen, ist besser. Baumstreifen stoppen die Staubverschmutzung und die richtige Bepflanzung bietet Unterschlupf. Die dichte Bepflanzung schützt vor Wind, reduziert die Verdunstung und erhöht die Wasserspeicherung.

Nachhaltigkeitsfaktor Wasserhahn

Ressourcenbewusste Entscheidungen in jeder Phase helfen, den Verbrauch zu reduzieren. Der Nachhaltigkeitsaspekt kann jedoch schnell in den Hintergrund geraten. Beim Kauf eines Wasserhahns wird so häufig auf das Aussehen aber nicht den Wasserverbrauch geachtet. Solche Einflussfaktoren tragen jedoch in der Summe zu einer hohen BREEAM-Bewertung bei – oder verhindern diese,” erklärt Lenka Matějíčková. Das zeigt sich in der Praxis: Die InPost-Immobilie hat eine Wassereinsparung von bis zu 55 Prozent erreicht, indem die Armaturen in den Bädern für bestimmte Wasserströme ausgewählt wurden. Es kam ein System von acht Solarkollektoren zum Einsatz, die zur Erwärmung des Brauchwassers genutzt werden und über einen speziellen Rückhaltetank zum Auffangen des Regenwassers verfügen.

Nachhaltigkeitsexperten sollten auf der Baustelle aktiv sein und beim Bestellen von Materialen darauf achten, dass die Hersteller recycelte Materialien und grüne Energie verwenden. Wie beim Bau der InPost-Halle, ist hier ein Ansatz die Orientierung anhand des EPD-Zertifikats (Environmental Product Declaration), das darüber informiert, aus welchen Stoffen ein Produkt besteht und welche Auswirkungen diese auf die Umwelt haben. Beim verwendeten Holz wurde darauf geachtet, dass eine Bestätigung für legale Beschaffung in Form des FSC-Zertifikats (Forest Stewardship Council) vorliegt.

Green Logistics: Teil der Geschäftsstrategie

Immer mehr Unternehmen formulieren messbare Nachhaltigkeitsziele in ihrer Strategie. Klimaneutrale und ökologische Logistikimmobilien unterstützen diese Ziele. Obwohl Projektentwickler mit Investitionen noch zögerlich sind, liegt der Mehrwert des nachhaltigen Bauens auf der Hand: Von der Bauplanung über die Umsetzung bis zum langfristigen Betrieb zahlt sich der Nachhaltigkeitsgedanke aus. Neben den Nutzern der Immobilien profitiert die Gesellschaft langfristig von weniger Emissionen, der Erhaltung unserer Ressourcen und einer größeren biologischen Vielfalt.